Business Talk Tina Voß »Nur ich kann mich regulieren«    

Tina Voß ist nicht nur Geschäftsführerin des führenden Personaldienstleisters in der Region Hannover sondern auch Autorin. Erst kürzlich wurde sie ausgezeichnet als Unternehmerin des Jahres 2015. Weitere Recherchen zur Vorbereitung ließen mich an Felix Magath denken: Sie hat ihren Mitarbeitern Medizinbälle geschenkt und geht regelmäßig um 5:00 Uhr morgens joggen. Ist diese Frau noch ein Mensch oder doch schon eine Maschine? Und wie führt sie sich selbst? Wie bringt die gute Frau alles unter einen Hut? Wer hat die Zügel in der Hand und was meint sie zum Thema Selbstführung?


Im Interview wird schnell klar: Tina Voß ist zwar eine Power-Frau, aber keine Maschine. Denn Maschinen haben kein Herz. Tina Voß ist wichtig, alles mit Begeisterung und vollem Herzen zu tun. Auf die Frage, wie sie das Thema Selbstführung sieht, sprudelt sie los. »Ich glaube schon, dass ich extrem belastbar bin. Mein Antrieb: Ich möchte immer unabhängig sein. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.«


Der Wert »Unabhängigkeit« ist zum Einen das Zugpferd vor ihrer eigenen Kutsche. Zum Anderen ist dieser Wert Ansporn und Ziel zugleich. Für dieses Ziel setzt sie sich ein und nimmt Belastungen in Kauf bzw. sieht sie gar nicht als Belastungen: unternehmerische Herausforderungen, Verantwortung für ihre Kollegen, eine hohe Erreichbarkeit, Abend-Veranstaltungen, E-Mails auch weit nach Dienstschluss. Doch sie weiß immer, dass sie die Zügel in der Hand hat und viele Stressfaktoren selbst steuert.


Um sich nicht zu verzetteln, schafft sie sich selbst Strukturen und Routinen. Zum Beispiel bearbeitet sie die vielen E-Mails nach dem OHIO-Prinzip: Only handle it once - »ich bin gut im Löschen und konsequenten Abarbeiten, jeder Vorgang, jede E-Mail fasse ich nur einmal an«. In Sachen Erreichbarkeit macht sie das Handy abends ab 21:00 Uhr konsequent auf Flugmodus. Und wenn es doch einmal alles zu viel und stressig wird, hat sie für sich eine wichtige Erkenntnis gewonnen: »Ich habe vor langer Zeit erkannt, dass nur ich mich stresse. Also kann auch nur ich mich wieder runter regulieren.« Einen Gang langsamer machen, durchatmen, ruhig bleiben. Und wenn das nicht mehr hilft, hilft ihr Qi Gong. »Qi Gong ist für mich wie eine Kopfschmerztablette. Ich mache das nicht regelmäßig, weiß aber, dass es mir hilft und dass ich es abrufen kann. Und so mache ich es, wenn mir mein Körper signalisiert, dass ich an eine Grenze komme und wieder auftanken muss.«


Im alltäglichen Zusammenspiel mit ihren Kollegen sorgen Strukturen und Menschlichkeit für ein gutes Miteinander sowie eine entspannte Kultur. »Jeder im Team gibt sein Bestes, ich schreite nur ein, wenn es nicht mehr anders geht und mich jemand darum bittet. Ansonsten vertraue ich vollkommen meinen Teamleitern. Fehler passieren und dürfen passieren. Doch dann frage ich auch nach: Warum ist das passiert? Warum genau? Und was kannst Du in Zukunft tun, damit Du das in Zukunft vermeiden kannst?« Das ist Führung zur Selbstführung auf einer wertschätzenden Basis. Diese wird vielmehr deutlich, dass Tina Voß nie von Mitarbeitern spricht sondern von Kollegen. So wird im Kollegenkreis gemeinsam geschwitzt und Kutschenpflege betrieben: Yoga, Pilates und Training mit dem Medizinball.


Und was ist Erfolg für Tina Voß? »Alles in eine Sache hineingeben, mit vollem Herzen dabei sein. Dann kann Erfolg auch ein Mißerfolg sein, aber: ich habe es probiert. Ich bin überhaupt nicht umsatzverbissen. Wenn ich jeden Tag mein Bestes gebe, mit vollem Herzen, dann kommt der Rest von ganz alleine.« Aus eigener Erfahrung weiß sie ebenfalls, dass es nicht gut ist, allzu fokussiert auf ein Ziel zu sein. »Denn vielleicht sind am Wegesrand noch andere Optionen, die viel besser sind als das ursprüngliche Ziel.« Dennoch appelliert Sie, sich auf seine Ziele zu fokussieren und sich Werkzeuge zur Zielerreichung anzueignen, ohne die Scheuklappen zu eng zu schnallen. »Nicht zu versessen sein, immer offen bleiben, vielleicht entstehen auf dem Weg neue Möglichkeiten.«



Am Ende des Interviews sprechen wir noch über die Herausforderungen für Unternehmen in der heutigen Zeit. »Neben Mitarbeitergewinnung und –Bindung gehört hier ganz bestimmt die Generation Y dazu. Die möchten mehr Sinn in ihrer Arbeit und sind anders anspruchsvoll.« Auf die Abschlussfrage »Was raten Sie denn der jungen Generation Y in Sachen Selbstführung?« antwortet sie »Passt auf Euch auf, hört in Euch hinein. Lernt Eure Grenzen kennen, dann könnt Ihr auch besser auf Euch aufpassen. Eignet Euch Instrumente zur Selbstführung an. Und: Hört auf Euer Herz und folgt diesem.«

Ein Anspruch von Tina Voß und ihren Kollegen ist, dass sich jeder nach einem Gespräch mindestens genauso gut wenn nicht sogar besser fühlt. Dies ist nach unserem Businesstalk auf jeden Fall so. Ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre Offenheit Tina Voß!


Mehr Informationen: http://www.tina-voss.de und http://www.frau-voss.com     

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