Die Geschichte hinter dem Buch 

»Wie bist Du auf den Buchtitel gekommen?« und »Wie geht das, so ein Buch schreiben, wie hast Du das gemacht? Woher nimmst Du die Ideen?«, »Wie lange hat es gedauert, bis es fertig war?« - das sind Fragen, die mir zur Zeit täglich gestellt werden. Daher kommt jetzt - ganz offiziell - die persönliche Geschichte zu meinem Buch.


Fangen wir mit dem Buchtitel an. Dieser hat sich abseits jeglicher Überlegungen zu einem Buchprojekt entwickelt. Anfang des Jahres wurde ich als Referentin für die Pecha-Kucha-Nacht im Mai 2015 eingeladen. Pecha-Kucha ist ein spezielles Vortragsformat mit Wettbewerbscharakter. Pecha-Kucha kommt aus dem Japanischen und meint übersetzt »Wildes Geplapper«. Im Vortragsformat bedeutet es, dass jede Präsentation nur 6:40 Minuten dauern darf und aus 20 Folien besteht. Jede Folie bleibt 20 Sekunden stehen. Schonungslos. Der Referent ist gefordert, sein Thema kurz, knackig und unterhaltsam zu präsentieren.


Die erste Aufgabe für mich bestand in der Abgabe meines Vortragstitels bis Mitte März. Mein Hirn ratterte: Was will ich präsentieren? Was will ich sagen? Wie will ich es sagen? Klar war von Anfang an, dass ich einen »anderen, frechen« Titel gestalten möchte, der konträr zum eigentlichen Thema ist und neugierig macht.


Anfang des Jahres war ich parallel mittendrin in meiner Umpositionierung (weg vom reinen Thema »Gesundheit« hin zu ?). Es waren gefühlt viele lose Enden in der Luft. Mein eigener Anspruch war: Bis zur Pecha-Kucha-Nacht bin ich mir mit meiner Positionierung klar und nutze dies für mich als offiziellen Start meiner Neupositionierung. Erste Ideen war den Schwerpunkt auf das Thema »Achtsamkeit« zu setzen, mit dem Vortragstitel »Scheibenkleister« als Bezug des Themas auf meinen Bandscheibenvorfall in 2013. Achtsamkeit in Reinkultur und als Schwerpunkt stellte sich sowohl für meine Positionierung als auch für einen Vortrag als zu statisch und leise heraus. Es war ein inneres »Naja....geht so....«. Wer mich kennt, weiß wie sehr ich Bewegung benötige... daher ging das gar nicht.


Auf einer meiner Laufrunden lockerte sich mein hoher Anspruch und ich überlegte »Über was rede ich denn in meinen Workshops und Coachings? Und was ist davon prägnant und provokant?« Es geht sehr sehr viel um die Steuerung des inneren Kopfkinos. Und ich zitiere zum Thema Arbeitsorganisation sehr gerne eine Studie, in der auch Kiffer vorkommen. So hatte ich schon zwei Begriffe »Kino.« und »Kiffen.«. Fehlte der Dritte. Anfang des Jahres war gerade der Film »Shades of Gray« in die Kinos gekommen und mir ging dieser Hype ziemlich auf die Nerven – aber es war zumindest für »Die neue Zügellosigkeit.« gut. So stand der Titel für den Vortrag »Kino. Kiffen. Und die neue Zügellosigkeit.« und ich merkte sofort: das passt, das wird gut, das macht Spaß! Und es passte hervorragend zu meinem Kutschensystem, welches ab Mitte Februar Fahrt aufnahm.


Die losen Enden, die ein paar Wochen zuvor noch in der Luft waren, kamen nun alle zusammen. Ein Positionierungscoaching Ende Februar rüttelte mich sowohl durch und bestätigte mich: »Du darfst provozieren, versteck Dich nicht!« und führte zur Positionierung als Expertin für Selbstführung. Hatte ich mich seit zwei Jahren an einer Aktualisierung meines Buches »Strandkorb-Prinzip« versucht, war nun klar: Nein, das passt nicht mehr.


Mein Stil und mein System zur Selbstführung verlangt nach einem neuen Buch. Eine ganz neue Datei wurde geöffnet. »Kino. Kiffen. Und die neue Zügellosigkeit.« war zunächst ein Arbeitstitel. Darf ich wirklich so ein Buch schreiben? Ist der Titel nicht zu provokant? Doch egal mit wem ich über meine Projekte Vortrag oder Buch sprach und den Titel nannte – ich bekam sehr positives Feedback bis hin zu ein paar geschriebenen Worten von einem Bestseller-Autor. Er meinte zu mir »Der Arbeitstitel ist super, bitte so lassen und bloß nicht weichspülen ;) !« Diese Worte verliehen mir ein riesiges Grinsen im Gesicht und verliehen mir innerlich Flügel.


Das Schreiben verlief in zwei Systemen: Einerseits machte ich am Anfang eine Liste mit Überschriften und Themen für die Kapitel. Zum Anderen fing ich einfach an zu schreiben. Im Kopf habe ich mich frei gemacht: Frei von eigenen Ansprüchen und Perfektionismus. Sondern einfach schreiben, mit Begeisterung und Leichtigkeit, ein kleines Büchlein. Wenn es 60 Seiten werden gut, es müssen nicht mehr sein. Keine Beschränkungen, keine Zahlenziele.

Ich hatte mir zum Schreiben ein Motto vorgenommen: »Schreib es mit Liebe und Leichtigkeit.« - diese Motto stand in der Kopfzeile meines Manuskriptes. In der Fußzeile wurde ich erinnert durch »Nicht weichspülen!«.


Wichtig war und ist mir, dass das Lesen leicht sein darf. Keine wissenschaftlichen Abhandlungen, sondern anschauliche, alltagstaugliche Impulse und hier und da ein wenig Hintergrund und Zahlenwerk. Doch ich glaube, wissenschaftliche Literatur und Ratgeber mit erhobenen Zeigefinger gibt es genügend. So habe ich für meine Verhältnisse extrem wenig recherchiert und nachgelesen, sondern meine Sicht der Dinge auf Basis meines Kutschensystems, meiner Erfahrungen sowie dem Feedback von Teilnehmern in Workshops und Coachings verarbeitet und dargestellt. Was nützt einem das schönste Modell und Wissen, wenn es für den Alltag zu komplex ist? So kamen mir die Details und Ideen zur Darstellung meist abseits vom Schreibtisch in Alltagssituationen. Und zumeist kamen die Ideen einfach so beim Schreiben. Für mich ist es ein anderes Denken und Sortieren, wenn meine Finger die Tastatur berühren ...


Um die Anwendung im Alltag anschaulicher zu gestalten, habe ich den Protagonisten »Herrn Meister« aus dem Vortrag ins Buch übernommen. So entsteht ein Transfer in den Alltag und der Leser kann reflektieren, wie es ihm im Vergleich zu Herrn Meister mit den Themen geht. Storytelling statt Zahlen – Daten – Fakten. Und zur Anschaulichkeit dienen meine eigenen Skizzen. Der Grund hierfür ist eine Mischung aus Freude und Faulheit: Mir macht es riesig Spaß mit Flipchart-Markern zu skizzieren und gleichzeitig war ich einfach zu faul für eine aufwendige Bildrecherche oder Grafikerstellung.

Das eigentliche Schreiben dauerte lediglich neun Wochen. Parallel lief mein Tagesgeschäft weiter. Die Wochenenden waren zumeist schreibfrei. Ich habe selten einen Tag nicht geschrieben. Und ich habe selten einen Tag mehr als zwei Stunden geschrieben. Es gab keine Nachtschicht wie bei meinem vorherigen Buch. Schreiben wurde in den Tag integriert. Wenn ich nicht beim Kunden war, schrieb ich gleich morgens 90 Minuten und ggf. noch einmal 90 Minuten am Nachmittag. Hatte ich einen Workshop, schrieb ich auf der Bahnfahrt oder am Abend im Hotel – statt Fernsehgucken. In diesen 90 Minuten schrieb ich sehr fokussiert und sehr konzentriert, keine Ablenkungen, keine Waschmaschine anstellen, keine Telefonate. So können 90 – 180 Minuten sehr produktiv und effektiv sein.


Zum Schluss habe ich die Grafiken erstellt, abfotografiert und eingesetzt. Als dann alles fertig war, war ich seltsamerweise ein wenig traurig, dass das Schreiben vorbei war. Das fertige Manuskript ging dann an vier Korrekturleser mit unterschiedlichen Sichtweisen und Ansprüchen an ein Buch. Parallel briefte ich eine Grafikerin für das Buchcover, die hervorragende Arbeit leistete und das freche und die Andersartigkeit sehr schlicht und klar auf den Punkt brachte. Die Korrekturleser erstaunten und unterstützten mich mit vier unterschiedlichsten Korrekturen. So ging ich im Juni in die letzte Phase. Die Korrekturen waren dann die letzten 20% im Ergebnis, die 80% des Einsatzes erfordern – hart und herzlich. So hat der gesamte Prozess von der ersten Datei bis zum fertigen Buch in der Hand insgesamt drei Monate gedauert.


Nun kribbelt es schon wieder ein wenig in den Fingern, doch zunächst möchte ich erst einmal mit der Kutsche und den Zügeln in der Hand durch die Lande ziehen J

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