Das zügellose Selbst braucht Zuckerbrot und keine Peitsche   

Zur Selbstführung gehört die Selbstkontrolle: Wie sehr haben wir unsere Zügel des Lebens in der Hand? Wie gut können wir unsere Gedanken und Emotionen kontrollieren? Je besser wir diese Fähigkeit ausgeprägt haben, umso besser meistern wir unser Leben. Und: Forscher stellten fest, dass unser Selbstwertgefühl maßgeblich von unserer Selbstkontrolle abhängt – und nicht umgekehrt. Somit können wir unser Selbstwertgefühl steigern, indem wir die Kontrolle übernehmen – das sind gute Nachrichten!


Die weniger gute Nachricht: Wir können uns nicht unbegrenzt kontrollieren sondern haben nur ein bestimmtes Kontingent an Selbstkontrolle. Wenn wir uns das Kutschensystem mit unserem Kutscher vor Augen halten macht diese Aussage Sinn: Denn wenn der Kutscher in uns ständig die Zügel sehr fest halten müssen, ist dies sehr anstrengend und irgendwann werden die Arme schwach und die Pferde gewinnen das Kräftemessen. Forscher bestätigen, was wir aus dem Alltag kennen: Je mehr Entscheidungen wir am Tag treffen und je mehr wir Versuchungen widerstehen müssen, umso eher wird unsere innere Willenskraft geschwächt. Die Folge: Wir ergeben uns sobald jemand mit der Chipstüte oder der Schokolade raschelt.


Interessant ist, dass wir anscheinend 70% unserer Wachzeit mit dem Widerstand von Gelüsten beschäftigt sind: Das Verlangen nach Schlaf, Sex, sozialem Kontakt, Trinken, Essen und Toilettenbesuch.... Bis auf Sex und Schlaf können wir während der Arbeitszeit allen Gelüsten gut nachgehen – Studien sagen, dass wir durchschnittlich 70% der Impulse widerstehen können, wenn wir es versuchen.


Die Zügel haben wir anscheinend mehr in der Hand, wenn wir über ausreichend Glucose im Blut verfügen. So konnte nachgewiesen werden, dass Richter gnädiger nach dem Mittagessen urteilen als vor der Mittagspause. Was folgt daraus:

  • Verführungen und Ablenkungen reduzieren (z.B. E-Mails, Messenger-Dienste, Autoradio, etc.), insbesondere wenn Sie vor Terminen mit wichtigen Entscheidungen stehen
  • Wichtige Entscheidungen / Telefonate nicht vor dem Mittagessen durchführen sondern mit ausreichend Glucose im Blut
  • Wir können die Selbstkontrolle trainieren wie einen Muskel – hierzu eignet sich die »Intervalltechnik«: Stellen Sie sich einen Wecker für eine Zeit von 30 – 45 Minuten. In dieser Zeit fokussieren Sie sich ausschließlich auf Ihr Thema. Dann machen Sie 10 Minuten Pause und lassen die Zügel locker.

Den gesamten Artikel können Sie hier lesen »Das entfesselte Selbst« in Welt am Sonntag 14. September 2014

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