Gib den Pferden Futter! Unser psychischen Bedürfnisse und wie Sie diese im Führungsalltag nutzen

»Ich beschäftige mich schon so lange mit dem Thema Mitarbeitermotivation, jetzt endlich habe ich eine Antwort gefunden: Das Möhrchen-Prinzip!“ So war ein Feedback nach einer Führungskräftequalifizierung Anfang des Jahres. Am Anfang waren die Teilnehmer skeptisch, als ich ihnen etwas vom Pferd erzählt habe und mein Kutschensystem dargestellt habe, doch nach kurzer Einwirkzeit des Bildes waren sie vertieft und konnten es gut mit ihrem Alltag verknüpfen. Was ist das Möhrchen-Prinzip? Letzlich nichts anderes, als dass wir bei unserem Tun die psychischen Bedürfnisse von uns selbst und von unseren Mitmenschen im Blick haben sollten. Denn unsere Psyche, unsere Pferde, haben ebenfalls Hunger und Bedürfnisse.

 

Nicht nur unser Körper hat Bedürfnisse wie Erholung, Pflege und Hunger. Auch unsere Psyche hat Bedürfnisse. Auch die Pferde möchten gepflegt und versorgt werden. Um unseren Körper kümmern wir uns meist schon sehr gut bzw. wir wissen, was er benötigt: Essen, Bewegung, Hygiene, ... Doch wie sehr sind uns psychische Bedürfnisse bewusst? Wie steht es um psychische Hygiene und Pflege? Geht es Ihnen auch so, dass Sie daran oftmals nicht bewusst denken?

Die Transaktionsanalyse beschreibt unsere psychischen Bedürfnisse mit »Hunger«. Hunger bedeutet, dass ein Mangel da ist, den wir stillen müssen. Bedürfnisse lassen sich nicht wegdiskutieren oder schön reden. Bedürfnisse sind Antriebsfaktoren. Sie bringen uns in Bewegung, denn wir möchten satt werden und keinen Hunger mehr haben.

Als ich dieses Konzept vor ein paar Jahren zum ersten Mal sah, fand ich das verrückt. Verrückt einfach und einleuchtend! Sicher, es gibt viele Konzepte und Ideen, wie wir gut für uns sorgen können. Doch kann ich mir das merken? Ich tue mich damit schwer. Ich mag es einfach und deshalb mag ich die Salutogenese und die psychischen Bedürfnisse aus der Transaktionsanalyse – das kann ich mir jeweils an drei Fingern abzählen.

 

Die Transaktionsanalyse beschreibt drei Arten von Hunger, die wir alle haben:

 

1.    Hunger nach Stimuli

Wir benötigen Reize für alle unsere Sinne, im Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen. Wir benötigen Anregung, Abwechslung und Stimulanz. Wir möchten auf unserer »Kutschfahrt« stimuliert werden. Ist unser Hunger nach Stimuli gestillt, entstehen die Gefühle von Handhabbarkeit und Verstehbarkeit. 

 

2.     Hunger nach Struktur 

Wir möchten unsere Zeit mit einer Struktur versehen. Diese Hungerart gründet in den biologischen Rhythmen unseres Körpers, zum Beispiel einer Struktur von Anspannung und Entspannung. Ist unser Hunger nach Struktur gestillt, entsteht primär das Gefühl von Verstehbarkeit und sekundär entsteht ein Gefühl von Handhabbarkeit.

 

3.   Hunger nach Anerkennung 

Wir benötigen psychische Streicheleinheiten: Beachtung, Anerkennung und Zuwendung. Wir möchten als Mensch gesehen werden. Wir können uns selbst Streicheleinheiten geben. Satter werden wir, wenn wir von anderen »gestreichelt« werden und diese Streicheleinheiten anerkennen können und nicht abwerten. Ist unser Hunger nach Anerkennung gestillt, entwickelt sich das Gefühl von Bedeutsamkeit, wir empfinden, dass wir für den anderen, für das Projekt, das Unternehmen, die Gemeinschaft eine Bedeutung haben.

 

Dieser psychische Hunger ist immer vorhanden, auf unserer gesamten Lebensreise. Am größten ist unser Hunger nach Anerkennung. Empfinden wir ein Gefühl von Bedeutsamkeit, bewegen wir uns leichter nach vorne – wir sind motiviert.

Als Führungskraft können Sie sich mit den drei folgenden Fragenkomplexe reflektieren und Ihre eigenen Pferde stärken. Denn wenn Sie satt und zufrieden sind, haben Sie eher einen Blick für die Bedürfnisse Ihres Umfeldes:

 

  • Was verstehe ich unter einem Gefühl von Klarheit? Wann habe ich ein Gefühl von Klarheit in meinem Job? Was kann ich dafür tun, dass meine Mitarbeiter eher ein Gefühl von Klarheit haben und verstehen, was gerade passiert?
  • Was verstehe ich unter einem Gefühl von Handhabbarkeit und wann habe ich es, wann habe ich das Gefühl, dass ich meine Anforderungen bewältigen kann? Wie kann ich dafür sorgen, dass meine Mitarbeiter eher das Gefühl haben, dass sie ihre Anforderungen bewältigen können?
  • Was verstehe ich unter einem Gefühl der Bedeutsamkeit und wann habe ich es? Was ist für mich bedeutsam? Wann habe ich das Gefühl, dass sich mein Einsatz lohnt? Wie kann ich dafür sorgen, dass meine Mitarbeiter eher das Gefühl haben, dass sich ihr Engagement lohnt?

 

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