Gesunde Selbstführung für Führungskräfte – wieso weshalb warum? Eine Antwort aus der Wissenschaft

„Gesundheit? Dafür ist doch jeder selbst verantwortlich, da kann ich als Führungskraft bei meinem Mitarbeitern doch nichts ausrichten....“ So ist oft die erste Reaktion in Führungsworkshops, wenn es um das Thema „Führung & Gesundheit“ geht. „Und bitte sagen Sie uns nicht, dass wir jetzt noch mehr zu tun kriegen, unser Tisch ist doch schon voll.“ Nein, keine Sorge. Die Reaktionen kann ich sehr gut nachvollziehen. Führungskraft zu sein ist kein Spaziergang, dabei gesund zu bleiben schon gar nicht?!

 

Wieso die eigene Gesundheit, das eigene Wohlbefinden, so wichtig für die gesunde Organisationsentwicklung und Organisationskultur ist, das zeigt eindrucksvoll ein Beitrag von Dr. Franziska Franke und Jörg Felfe im Fehlzeitenreport 2011. Doch bevor Sie von diesem Beitrag und der Studie lesen, überlegen Sie bitte selbst und beantworten Sie sich ehrlich folgende Fragen:

-      Inwieweit ist Ihr Wohlbefinden und Ihre Produktivität von Ihrer Gesundheit abhängig?

-      Wann kümmern Sie sich um Ihre Gesundheit – einfach so, weil Sie wissen, dass Ihre Gesundheit für Sie „systemrelevant“ ist oder erst, wenn Sie wirklich „Leidensdruck“ haben?

-      Wie führen Sie, wenn Ihr Akku voll ist und wie gestalten Sie Ihre Führungsbeziehungen, wenn Sie auf Reserve sind? Wann fällt es Ihnen leichter Entscheidungen zu treffen und Gespräche konstruktiv zu führen?

-      Wie stark nehmen Sie bei sich Warnzeichen der Überlastung wahr und wenn ja, nehmen Sie diese ernst oder nehmen Sie etwas ein?

-      Was denken Sie über Stress und Erschöpfung – bei sich selbst und für Ihre Mitarbeiter?

 

Studien und Zahlen belegen meist das, was wir innerlich schon spüren. So ist es ebenfalls mit der Studie von Franke und Felfe zum Instrument „Health Oriented Leadership“. Fokus der Studie war die Frage: Inwieweit beeinflusst das gesundheitsbezogene Verhalten und die Vorbildfunktion der Führungskraft die Mitarbeitergesundheit? Welchen Effekt hat es auf die Gesundheit und somit Arbeitszufriedenheit und –Leistung meiner Mitarbeiter, wenn ich mich als Führungskraft um mich selbst kümmere?

 

Hierzu zählen drei Aspekte:

  1. Ich habe eine „gesundheitsbezogene Achtsamkeit“
  2. Ich weiß um meine Ressourcen und Belastungen am Arbeitsplatz und weiß, wie ich diese beeinflussen kann
  3. Ich habe eine gesundheitsorientierte „Selbstwirksamkeit“, d. h. ich weiß, wie ich meine Belastungen reduzieren kann.

 

 

Das Ergebnis ist eindeutig: Es gibt einen deutlichen Übertragungseffekt. Sprich, wenn ich mich selbst gesund führe (dies beinhaltet die eigene Wahrnehmung, Selbstreflexion und Steuerung), dann überträgt sich dies positiv auf mein Umfeld (bzw. auch negativ, wenn ich es nicht mache): Mitarbeiter sind 4x weniger erschöpft und mehr als 2x weniger psychosomatische Beschwerden als wenn ich mich nicht um meine Gesundheit kümmere. Und ganz nebenbei fühle ich mich als Führungskraft dann auch besser. Das eigene Verhalten, die eigene Einstellung zu Gesundheit hat eine immense Wirkung auf Ihr Umfeld und ist nicht zu unterschätzen! Dieser Aspekt sollte auch bei der Analyse und Diskussion von Fehlzeiten beachtet werden.

 

Das Ergebnis von Franke und Felfe finde ich sehr bemerkenswert – und bestärkt mich in meinem Ansatz: Zuerst beim Einzelnen anfangen, und dann weiterschauen. Erst wenn der Einzelne sich selbst reflektiert und steuert ist er offen und konstruktiv in der Gestaltung von Arbeitsbeziehungen und Arbeitsbedingungen. Überlegen Sie selbst: Welche Wirkung hat es in Ihrem direkten Umfeld, wenn Sie bewusst einmal nein sagen (z.B. zu Terminen in der Mittagspause oder zu Erreichbarkeiten im Urlaub) oder sich nicht mit einer fast fiebrigen Erkältung nicht zur Arbeit schleppen oder in einer Teambesprechung einmal berichten, was für Sie zur Zeit Ressourcen und Belastungen darstellen? Auf einmal kommt das Thema psychosoziale Gesundheit auf die Agenda sowie in die Beziehungen und es entsteht mehr Menschlichkeit.

 

Was sind die Voraussetzungen für eine gesunde Selbstführung? Zunächst benötige ich eine Motivation, mich um meine eigene Gesundheit zu kümmern. Dies ist entweder ein Leidensdruck bzw. Warnschuss sein oder ein präventiver Wunsch „Ich möchte einfach länger gesund und energievoll sein und abends noch Energie für meine Familie haben“.  Des Weiteren benötige ich Offenheit und Wissen: Was ist eigentlich Gesundheit und was kann ich alles für mich tun? Hier sind meine Erfahrungen, dass mit Gesundheit vor allen Dingen körperliche Aspekte assoziiert werden... Doch es gehört weit mehr dazu. Und wir denken oft, wir müssten unser ganzes Leben ändern... Nein, es gibt kleinste Stellschrauben, die wirklich täglich verfügbar sind. Hier gilt es unsere Vorstellungen und Kopfkinos zu revidieren. Und dann neugierig starten und in die Umsetzung kommen. Jeden Tag.

 

Natürlich benötigt es auf der organisatorischen Ebene ein Einverständnis und eine Erlaubnis, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, über Belastungen und Ressourcen zu sprechen. Ein guter Start hierzu sind gemeinsame Veranstaltungen im Führungskreis. Neugierig? Sie möchten mehr über mein Vorgehen und / oder Referenzansprechpartner wissen? Dann sprechen Sie mich an: 05108-9231566. 

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