Digitalisierungs-Hype und Selbstführung ganz analog mit Flummis und Schokolade

„Ich habe von der ganze Digitalisierung die Nase voll, das ist doch alles nur ein Hype, die Herausforderungen gab es doch schon immer! Nur jetzt werden sie noch deutlicher!“ Mein Kollege Franz und ich waren uns sofort einig und hatten für die Pausen beim Netzwerktreffen unglaublich viel Gesprächsstoff zum Thema Digitalisierung. „Und Anke, Dein Thema ist genau das, was wir alle brauchen: wir brauchen Selbstregulation, um mit ganzen Wahnsinn umzugehen!“ Und was hat das nun mit Süßigkeiten und Flummis zu tun?

Das fragen meine Teilnehmer schon am Anfang, wenn sie vorne am Moderatorentisch Bonbons und Flummis sehen. Im Verlaufe des Workshops oder Vortrags wird dann klar, wofür die Sweeties stehen: Für alle die Verlockungen und Verführungen in der heutigen Zeit. Hier noch schnell eine E-Mail, da noch schnell mal nachrecherchieren, diesen Artikel und dieses Buch noch lesen und – ja das könnte ich doch auch noch eben machen... Und ja, die Schokoladenbonbons stehen auch für unser Tagesgeschäft, das, was wir meinen tun zu müssen. An sich ist der Berg von Süßigkeiten unbegrenzt.

 

Das Dilemma: Wir können niemals alle Süßigkeiten, alle Versuchungen, alle Aufgaben erledigen. Wir können nicht alles schaffen, was möglich erscheint. Wir können nicht alles lesen, was es zu einem Thema zu lesen gibt. Denn: ein Tag, eine Woche, ein Monat, ein Jahr, ein Leben ist begrenzt. Unsere Lebensenergie ist begrenzt. Wir können uns diese Endlichkeit vorstellen wie ein Gefäß, zum Beispiel ein Glas von 0,2 Liter. In dieses Glas passt dann nun mal nur 0,2 Liter hinein. Die Digitalisierung unterstützt Entgrenzung und Unendlichkeit – unsere Aufmerksamkeit und unsere Energie ist jedoch begrenzt. Sprich: Wir müssen uns beschränken, es kann nicht alles ins Gefäß, was wir sehen. Selbst wenn wir es versuchen: Das Glas wird überlaufen. Oder wir könnten meinen wie ein Teilnehmer neulich „dann nehme ich halt ein größeres Glas, dann passt auch mehr rein“ (sprich ich weite meine Arbeitszeit aus). Ich bin überzeugt, dass auch das nur begrenzt geht ohne einen Preis zu zahlen (Gesundheit, soziales Leben oder beides).

Den Impuls, den ich Ihnen mitgeben möchte: Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr denn je eine Entscheidungskompetenz benötigen, eine Art Filter für unser Glas: Was ist mir wirklich wichtig – fällt jedoch vor lauter lautem Tagesgeschäft immer am Glas vorbei? Was ist mein Flummi, was sind meine Ziele, was ist meine Ausrichtung? Was sind die Dinge, die mir gut tun, die wirklich zu meinem Job gehören und die mich meinen Zielen näher bringen? Die gehören ins Glas, zuerst und priorisiert.

Schon immer hatten wir Auswahlmöglichkeiten und Verlockungen. Sprich die Herausforderungen mit Optionen umzugehen ist ein alter Hut. Doch durch die Digitalisierung sind die Verlockungen allgegenwärtig. Umso mehr ist eine Selbstregulation notwendig, damit wir unsere Kraft und Lebensenergie für uns sinnvoll einsetzen.

 

 

 

 

 

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