Die Matrix und die Killerfrage für den persönlichen und organisationalen Change

Wie schaffe ich es wirklich in die Umsetzung? Wie kann ich meine Mitarbeiter davon überzeugen, dass wir uns   wegen der Digitalisierung verändern müssen, obwohl es uns jetzt ja noch so gut geht? Zum Finden der Antworten kann uns das Modell der Abwertungsmatrix aus der Transaktionsanalyse unterstützen. Die Abwertungsmatrix beschreibt ein systematisches Vorgehen zum Erarbeiten von Lösungen und zunächst von einer gemeinsamen Gesprächsgrundlage. Die ersten zwei Ebenen (vor den Lösungsebenen) finde ich besonders wertvoll.

 

Auf der ersten Stufe der Abwertungsmatrix ist die Existenzebene. Auf dieser Ebene werden Informationen zu relevanten Situationen und ggf. Personen gesammelt zu folgenden Fragestellungen:

  • Was wissen wir? Was wissen wir nicht? Welche Informationen nehmen wir wahr und welche blenden wir aus und welche Informationen werten wir ab?
  • Was ist das Problem für mich? Für mein Umfeld?

 

Wir neigen zum Abwerten und Ausblenden von Informationen, die objektiv da sind oder auch fehlen.  Auf der individuellen Ebene können das zum Beispiele sein: Abwerten der eigenen Selbstverantwortung und des Eigenanteils an Situationen, Übergewicht / Untergewicht, Überstunden, Arbeitsverhalten, Kommunikationsverhalten, Vorhandensein/Nicht-Vorhandensein von expliziten Vereinbarungen, etc.

 

Auf der Ebene von Organisationen gibt es zum Beispiel folgende Tatsachen auf der Existenzebene: Fehlzeiten-Quote, Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen, Flurfunk, Veränderung der Rollen und Aufgaben durch Digitalisierung, Einfluss von Führung auf Zufriedenheit und Fehlzeiten, etc. Als Selbstschutz oder aus anderen Gründen werden Tatsachen abgewertet, wie zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Führung und Fehlzeiten.

 

Was bedeutet die Abwertungsmatrix im Kontext der Digitalisierung? Welche relevanten Informationen gibt es auf der Existenzebene, was wissen wir und was wissen wir nicht, was nehmen wir wahr und was nehmen wir nicht wahr? Wir wissen, dass die Welt digitaler wird und dass sich Prozesse und Aufgaben in Unternehmen ändern, dass sich Märkte ändern und das Kundenverhalten durch die Digitalisierung sich wandelt.

 

Für uns ganz persönlich wissen wir, dass wir durch die Digitalisierung immer mehr Möglichkeiten haben und ständig online sein könnten. Wir wissen (noch) nicht, welchen langfristigen Einfluss die „neue“ Arbeit auf unsere Gesundheit und Zufriedenheit hat.

 

Auf der Existenzebene wissen wir einiges und vieles noch nicht. Und so kommen wir zur zweiten Ebene der Abwertungsmatrix: die Bedeutungsebene – was bedeuten die vorhandenen, wahrgenommenen oder auch nicht wahrgenommenen Informationen für das Unternehmen und für den Einzelnen?

 

Durch Digitalisierung wird die unternehmerische Tätigkeit und die Führung weniger planbar, Führungskräfte sind gefordert, mehr auf Sicht zu segeln und werteorientiert zu führen. Mitarbeiter sind gefordert, sich von alten Rollen-, Aufgaben- und Prozessbeschreibungen zu lösen und sich auf neue Gewässer und neues Segeln einzustellen. Digitalisierung bedeutet kontinuierliches Umdenken und Umstellen im jeweiligen Kontext und Tempo. Meines Erachtens wird zur Zeit auf der Bedeutungsebene (und dann schon auf der nächsten Stufe der Lösungsebene) viel zu viel Hysterie verbreitet: „Alles muss neu und anders!“, „60% der Jobs fallen weg!“ etc. anstatt sich in Ruhe die Tatsachen anzuschauen.

 

Wie schaffen Sie nun Leidensdruck und eine Veränderungsdynamik sowohl für sich persönlich als auch im Team? Nachdem Sie alle Informationen auf der Existenzebene gesammelt haben fragen Sie sich:

 

Was passiert, wenn nichts passiert? Was passiert, wenn ich/wir immer so weitermachen?

 

Das ist die Killerfrage, um in die Veränderung zu kommen und einem konstruktiven Schaffen von Leidensdruck – ohne Hysterie sondern basierend auf Ihrer Sachlage. 

 

(foto: Fotolia)

 

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