Im Flow - Teil II: Von Bandscheibenvorfall bis Bestzeit

Vor einem knappen Jahr, Ende Oktober 2016 bekam ich die Diagnose „Bandscheibenvorfall“. Kurz vor Weihnachten folgte trotz Physiotherapie und viel Ruhe die Diagnose „chronischer, schon leicht verknöcherter Bandscheibenvorfall“. Im März war ich wieder schmerzfrei. Am 17.9.2017 bin ich Bestzeit im Halbmarathon gelaufen. Fitter den je. Wie das geht? Lesen Sie selbst meinen persönlichen Erfahrungsbericht mit 3 Erfolgsfaktoren für Veränderungen als Fazit. 

Motivation: Zielbilder

Das Leben ist das, was passiert, wenn Du andere Pläne hast. Mein Plan im Juli 2016: Im April 2017 endlich mal wieder Marathon laufen. Im Sommer 2016 hatte ich mich angemeldet und munter trainiert. Zu schnell wollte ich wohl zu viel. Ich verschleppte eine Muskelzerrung bis zum Bandscheibenvorfall. Das Zielbild vom „Zieleinlauf“ ersetzte ich Weihnachten durch das Zielbild „schmerzfrei und aufrecht am Esstisch sitzen“.

 

Unterstützung suchen, Dranbleiben und Umsetzen: Bock auf Disziplin

Ehrgeizig verfolgte ich dieses neue Zielbild – Zusammen mit Experten überprüfte alle Elemente meines eigenen Kutschensystems: Ich stellte meine Ernährung um, überprüfte meine inneren Peitschen, Ziele und mein Kopfkino. Weil ich unbedingt wieder beweglich werden wollte, machte ich täglich Krafttraining für meinen Rücken. Ich hatte schlicht keine Lust mehr auf „Drogen“ (Ibuprofen, etc.), Schmerzen und soziale Schieflage am Esstisch (ich lag vier Monate auf einer Sonnenliege zum Essen..). Durch diesen hohen Leidensdruck hatte ich richtig Bock auf diese vielen Umstellungen. Und „Bock haben“ ist der Garant für Dranbleiben.

 

Meilensteine zur Umsetzung: 50 – 8 – 6 – meine Kennzahlen

Die Disziplin zahlte sich aus. Der Zeitfaktor gepaart mit Offenheit für ungewöhnliche Methoden war ich Anfang März endlich wieder schmerzfrei – ohne Drogen. Im Urlaub lief ich voller Freude die ersten 50 m an einem herrlichen Strand – herrlich! Immer wieder streute ich ein paar Meter „joggen“ in einen Spaziergang ein. Ein paar Wochen später der große Moment zurück in Laufschuhen. Zwei km in schneckigen 8 Minuten pro Kilometer und viel Muskelkater danach. Schon wenige Wochen später war ich stolz wie Oskar, als ich 6 km schaffte.

 

Der 1. Unterschied: Die Einstellung

Liegend und voller Schmerzen habe ich mit mir selbst einen Deal geschlossen: Wenn ich wieder laufen kann, so möchte ich hauptsächlich aus Freude laufen. Leistung ist zweitrangig. Hauptsache Laufen. Ich habe meine Einstellung zum Laufen geändert. Und seit dem laufe ich anders, Zeiten spielen immer noch eine Rolle, doch sie haben mich nicht mehr in der Hand. Und na klar, die vielen Kraftübungen lassen mich ebenfalls aufrechter durch die Felder ziehen.

 

Der 2. Unterschied: Geduld

Beim Formaufbau ließ ich mir Zeit. Innerlich scharrte ich oftmals mit den Hufen und wollte schneller und länger laufen. Statt dessen war ich vernünftig und steigerte nur langsam das Tempo und die Distanz. Ich ließ meinem Körper Zeit, sich wieder an das Laufen zu gewöhnen. Es zahlte sich in doppelter Hinsicht schneller aus als ich dachte. Nach wenigen Wochen konnte ich wieder mit meinem Lauftreff laufen. Und unglaublich: Ich lief auf meinen Runden vergleichsweise deutlich schneller als ‚vorher’.

 

Zielbild: mit einem Lächeln ins Ziel

Im Juli fing ich an, konkret an die Teilnahme beim schönsten Halbmarathon der Region (Rübenlauf) zu denken. Mein Plan: Einfach nur mitlaufen – Zeit ist egal und mit einem Lächeln ins Ziel rennen. Doch ich merkte in den letzten Wochen davor: Da geht was! Ich bin so schnell wie nie. Und am wichtigsten: Ich hatte so viel Spaß dabei! Die Zeiten schaute ich mit meiner neuen Einstellung auch nur kurz immer an – und dann ungläubig: Wie cool ist das denn?

 

Im Flow die Bestzeit geknackt

Für einen Wettbewerb setze ich mir immer drei Ziele: Ein Mindestziel (ins Ziel kommen, mit einem Lächeln), ein realistisches Ziel (unter 2:00 Stunden) und ein Idealziel. Dieses Idealziel war für mich irgendwo zwischen 1.52-1:56, je nach Tagesform. Am Sonntag morgen habe ich mich einfach nur gefreut: Konnte ich vor Monaten nicht schmerzfrei zum Bäcker gehen, stand ich nun putzmunter am Start. Ich lief komplette 21 km mit einem Strahlen und voller Dankbarkeit durch die Felder. Ich war im Flow, meine Beine waren im Flow. Zusammen mit ein paar anderen Läufern wechselten wir uns beim Tempomachen ab. 1 Kilometer vor dem Ziel realisierte ich, wie schnell ich war und dass es realistisch ist, meine Uralt-Bestzeit von 2005 zu knacken – und so war es dann auch: 1:51:29.

 

Fazit und drei Faktoren für erfolgreiche Veränderungen

Immer noch strahle ich – und möchte am liebsten schon wieder loslaufen. Doch jetzt gönne ich meinem Körper ein paar Tage Ruhe. Er hat es sich verdient.

 

Was nehme ich aus dieser Erfahrung an Veränderungsfaktoren mit:

1.     Ein hoher Leidensdruck und ein klares Zielbild steigern die Motivation zur Veränderung.

2.     Veränderung muss machbar sein: Großer Leidensdruck erfordert große Veränderungen. Große Veränderungen entstehen durch kleinste Schritte, regelmäßig und dauerhaft in den Alltag integriert. 5 Minuten Krafttraining geht immer.

3.     Geduld haben und dran bleiben – eine Veränderung passiert nicht über Nacht und nicht einfach so.

 

Läuft ;) 

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