Der Mythos von Veränderungen oder: Veränderungen sind selten Gewitter

Im Rahmen von einigen Change-Workshops war ich im Sommer dieses Jahr im schönen Bayern in einem wunderschönen Gasthof mit tollem Biergarten. Ein Gewitter am Abend ließ mich noch einmal anders über Veränderungen und digitale Transformation nachdenken.

Die Veränderungs-Wetterlage: Aufgeheizt und unberechenbar

Ein lauer Sommerabend im Juli: Der Himmel ist klar, die Sonne scheint und es ist warm. Die Stimmung ist locker und doch ein wenig angespannt. Über den Tag hat sich die Luft aufgeheizt. In vielen Unternehmen beobachte ich ebenfalls eine gute Wetterlage. Die Auftragslage stimmt, die Stimmung ist positiv. Doch alle spüren einen Veränderungsdruck. Es liegt etwas Unbestimmtes und Unberechenbares in der Luft.

 

Veränderungsgewitter

Das Wetter könnte sehr schnell umschlagen und ein Orkan könnte das bisher Aufgebaute innerhalb kurzer Zeit kaputt machen – Stichwort Disruption. Doch ist es tatsächlich so? Ist ein Orkantief im Anmarsch? Oder ist es nur eine Phantasie?

Bei mir im Gasthof kam auf einmal die Chefin auf die Terrasse. Sie hat unaufgeregt und doch sehr bestimmt das Personal informiert, dass ein Gewitter im Anmarsch ist. In circa 30 Minuten wird es losgehen. Die Gäste sollten doch jetzt schon einmal um platziert werden, damit es später nicht so hektisch wird. Gesagt getan. Das Gewitter kam wie angekündigt. Kein Mythos, sondern direkt erlebbar.

 

Change Management auf Abruf

Im Trockenen sitzend beobachte ich Changemanagement auf Abruf: Alle Angestellten, egal ob Kellner, Rezeptionist oder Geschäftsführung packen mit an: Polster werden reingetragen, Essen wird serviert. Keiner hält sich mehr an seine ursprüngliche Rolle. Es wird nicht diskutiert, sondern gemacht. Einzig und allein der Gast steht im Mittelpunkt. Ich spreche einen Kellner an und sage ihm, dass ich den Umgang mit der Situation sehr gut finde. „Danke! Am wichtigsten ist, einfach ruhig zu bleiben und eins nach dem Anderen zu machen.“ Ist seine Antwort mit einem Lächeln. Kein Jammern. Kein Meckern.

 

3 Ableitungen für Organisationen

Der Gasthof hatte 30 Minuten Zeit sich auf das Gewitter einzustellen. Und sicherlich ist ein Gewitter öfter der Fall als der momentane Umbruch in unserer Arbeitswelt. Der Gasthof hat bestimmt Routine im Umgang mit diesen Situationen. Dennoch sehe ich mögliche Ableitungen für Organisationen:

·      Umbrüche passieren nicht von jetzt auf gleich. Wir können diese erahnen, wenn wir das Wetter im Sinne der Markt- und Umfeldbedingungen im Blick haben und realistisch einschätzen.

·      Veränderungen und Change sind in Organisationen oftmals negativ und mythisch behaftet. Der Umgang mit möglichen „Gewittern“ für Organisationen erscheint mir manchmal aufgeheizt zwischen Aktionismus („da müssen wir ganz schnell was machen“) und Verneinung („das Gewitter zieht an uns vorbei“). Doch Veränderungen gehören dazu. Deshalb ist ein pragmatischer Umgang mehr als angebracht: Kontinuierlich die Wetterlage beobachten und mit angemessenem Tempo analysieren, einen angemessenen Plan haben und diesen dann umzusetzen.

·      Kunde in den Fokus: Die Kunden sind hungrig und möchten essen bzw. ihre Bedürfnisse befriedigen. Wie das die Organisation regelt ist ihm herzlich egal. Wenn es das Unternehmen A nicht schafft, geht es zu Unternehmen B.

 

Und – wie schätzen Sie bei Ihnen die Veränderungswetterlage ein? Wie wird bei Ihnen das Thema Veränderungen mystifiziert oder entmystifiziert?

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