Noch ein Mythos: Was ist Achtsamkeit und was ist es nicht?

Achtsamkeit scheint die neue Wunderwaffe für gestresste Menschen zu sein. Achtsamkeit verspricht uns Gelassenheit, ein besserer Umgang mit Stress und ein Stoppen des Gedankenkarussels. Auch ich mag das Konzept der Achtsamkeit sehr. Was ich nicht mag: Die Mythen und Vorstellungen rund um Achtsamkeit. In diesem Blogartikel setze ich mich mit ein paar Mythen und Vorstellungen auseinander und stelle meine Sichtweise dar. Und Sie erfahren, welchen Nutzen Achtsamkeit in Veränderungsprozessen hat. 

Achtsamkeit – eine Begriffsbestimmung

Achtsamkeit bedeutet ein Wahrnehmen des jetzigen Moments, ohne zu urteilen. Achtsamkeit heißt also voll und ganz da zu sein, wo ich gerade bin. Der Zusatz ‚ohne zu urteilen’ meint, offen für die Erfahrung im Moment zu sein. Wenn ich jetzt zum Beispiel im Zug sitze und diesen Artikel schreibe, bin ich voll und ganz beim Schreiben. Ich nehme wahr, dass ich etwas müde bin. Doch ich urteile nicht, sondern akzeptiere, dass ich müde bin (anstatt zu urteilen: kein Wunder, hast ja gestern auch zu viel Fernsehen geschaut, etc.).

 

Mythos 1: Achtsamkeit ist Meditation

Es gibt das formale Üben der Achtsamkeit durch Meditationen, wie zum Beispiel die Sitzmeditation. Daneben gibt es die informelle Art der Achtsamkeit: Egal wo wir sind und was wir tun, können wir das Hier und Jetzt wahrnehmen. So wie es ist. Das kann beim Essen sein, in einem Meeting oder beim Schreiben. Achtsamkeit meint voll und ganz da zu sein, wo ich bin. Es wäre zum Beispiel nicht achtsam, in einem Meeting zu sitzen und mit den Gedanken ganz woanders zu sein.

 

Mythos 2: Achtsamkeit heißt Langsamkeit

Langsamkeit und Entschleunigung kann unsere Achtsamkeit unterstützen. Wir können jedoch auch achtsam hetzen oder einfach mit ganz normalem Tempo durch unseren Alltag gehen. Sobald wir uns bewusst sind, wahrnehmen, dass wir hetzen oder unser Tempo gehen, sind wir achtsam.

 

Mythos 3: Achtsamkeit ist kompliziert und anstrengend

Beste Beispiele für ein achtsames Leben sind Kleinkinder oder Hunde: Sie sind mit allen Sinnen bei Ihrem Spiel, Ihrem Essen, etc. Schaut das anstrengend aus? Nein. Das, was wir anstrengend empfinden, ist das Ausschalten des eigenen Autopiloten und die volle Fokussierung auf eine Tätigkeit. Fokussierung kostet Energie und ist genau das Gegenteil von Multitasking.

 

Achtsamkeit im Berufsalltag – so geht es

Ich übersetze das Konzept der Achtsamkeit gern mit „Präsenz“. Es geht darum voll und ganz da zu sein, präsent zu sein. Präsenz können wir täglich mit unseren Mitmenschen praktizieren. Seien Sie im Gespräch und nicht auf Ihrem smartPhone. Seien Sie im Spiel mit Ihren Kindern und nicht gedanklich bei den Meetings des (nächsten) Tages. Üben Sie Präsenz auch bei Ihren Aufgaben – von Routinen bis Herausforderungen. Und ja, auch bei Planungen! Natürlich heißt Achtsamkeit nicht, dass Sie nicht planen sollen. Doch natürlich. Und wenn Sie planen, dann planen Sie. Und machen sich keine Gedanken um das Thema aus dem letzten Termin.

 

Stellen Sie sich immer wieder die Frage: Was ist denn Jetzt? Wo bin ich jetzt?

 

Viel zu oft dreht unser Kopfkino durch mit wilden Zukunftsszenarien, anstatt den Moment zu nutzen. Gerade in Veränderungsprozessen ist es meines Erachtens verschwendete Energie, sich zu stark mit Zukunftsszenarien auseinander zu setzen („Was ist wenn....“). Die Dynamik ist zu hoch, als dass Sie diese vorhersagen können. Konzentrieren Sie sich auf das Jetzt und dann setzen Sie um, was jetzt möglich ist.

Welche Vorstellungen oder Erfahrungen haben Sie mit Achtsamkeit gemacht?

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