Aktuell erwarte ich die Rückmeldungen meiner 10 Testlesenden – 7 Leserinnen, 3 Leser. Zwei Feedbacks habe ich schon erhalten. Dasselbe Buch. Unterschiedliche Menschen und zwei völlig verschiedene Meinungen. Bevor ich die Feedbacks lese, sage ich mir innerlich: Feedback ist eine Information. Ich bin daran interessiert.
Ich gebe zu: Das erste Feedback hat gut getan. Das zweite hat gepiekst.
Feedback ist ein Thema, was ich in verschiedensten Kontexten höre: „Wir brauchen eine bessere Feedback-Kultur in unserer Organisation.“ – zum Beispiel als Ausgangspunkt für Maßnahmen zu psychologischer Sicherheit. „Ich möchte wertschätzender und wirksamer Feedback in Mitarbeitergesprächen geben“ höre ich in Leadership-Coachings.
Wenn ich über psychologische Sicherheit spreche, ist gutes Feedback geben bzw. gut Feedback geben die eine Seite der Medaille. Feedback gut annehmen ist mindestens genauso wichtig. Denn wie ich ein Feedback „äußerlich“ annehme, wirkt sich direkt auf die Beziehung aus – in einem Gespräch, Termin und auf mich selbst. Und umgekehrt: wie ich ein Feedback „innerlich“ annehme und mich selbst mit dem Feedback führe, wirkt sich nach Außen aus.
Das erlebe ich gerade in mir selbst. Feedback zu erhalten ist für mich und vermutlich für die meisten Menschen ein Drahtseilakt: Wie werde ich damit umgehen? Ich habe meistens Herzklopfen. Und jetzt gerade beim Feedback zu meinem Buch ganz besonders. Schließlich schreibe ich viel über meine inneren Prozesse, Gedanken und Gefühle.
Feedbacknehmen ist ein besonderer Moment, der viel innere Führung erfordert. Denn zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. Ich entscheide, wie ich diesen Raum gestalte.
Feedback annehmen: Was mir hilft
Mich entspannen: Ich bin nicht perfekt und will es nicht sein. Das Buch auch nicht. Das nimmt den Druck raus und ist eine Grundhaltung für persönliche psychologische Sicherheit.
Dankbar sein – für jedes Feedback, gerade wenn es piekst. Für den Mut, etwas Unbequemes zu sagen. Für die Zeit, die Differenzierung und das Vertrauen. Und nur so habe ich die Chance, es zu verbessern.
Mich über das Gute freuen und es wirklich auch im Körper ankommen lassen. Die Information, dass sich jemand unzählige Male im Buch wiedergefunden hat, berührt mich und ist das, was ich im besten Fall erreichen wollte.
Und an noch etwas erinnere ich mich selbst immer wieder:
Bin ich wirklich offen für das Feedback? Interessiert es mich wirklich?
Ich weiß noch, wie ich mit mir gerungen habe, ob ich überhaupt Testleser haben möchte. Vor ein paar Wochen und auch heute bin ich überzeugt, dass es wichtig ist. Denn ich bin wirklich interessiert an den Antworten.
Vielleicht ist das der Kern, um gut mit Feedback umzugehen: Wirklich offen und neugierig zu sein. Nicht gleich die Sortiermaschine im Kopf anzuwerfen.
Wie offen bist du, wenn Feedback nicht in dein Bild passt?
