Selbstführung in der neuen Arbeitswelt: wieso wir mehr denn je Struktur benötigen – mit 3 persönlichen Impulsen

Selbstführung in der neuen Arbeitswelt: wieso wir mehr denn je Struktur benötigen – mit 3 persönlichen Impulsen

Vor einiger Zeit lief ich morgens an der Kieler Förde entlang. Als ich mich auf einem Spielplatz abschließend dehnte, sah ich ein riesen großes Spielgerät: links ein Holzhaus, rechts ein Klettergerüst und beides verbunden durch eine Brücke. Auf einmal dachte ich: Das ist es! Dieses Spielgerät beschreibt perfekt den Wandel der Arbeitswelt bzw. die zwei Pole, zwischen denen wir uns momentan mit unserer Selbstführung bewegen. Einerseits die komplette Struktur und andererseits eine offene, flexible und adaptive Welt. Wir benötigen beides. Doch je mehr wir uns auf das Klettergerüst zu bewegen, umso wichtiger ist, dass wir uns selbst innerlich stabilisieren und strukturieren.

Den Wandel in der Arbeitswelt und in der Selbstführung mit einem Klettergerüst verstehen

Als ich vor 20 Jahren ins Berufsleben einstieg, war alles sehr strukturiert. Es gab klare Hierarchien, genaue Stellenbeschreibungen, Pflichtenhefte, Karriereleitern usw. Auch räumlich waren klare Grenzen gegeben, wo und wann ich arbeite. All dies drückt symbolisch das Holzhaus aus. Ich bezeichne es als „Strukturland“. Die Sicht war klar, so dass langfristig geplant wurde.

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Das Arbeitsleben ist immer weniger klar geordnet. Das Klettergerüst verkörpert die neue Arbeitswelt, das „Abenteuerland“ oder auch „Neuland“: weniger Hierarchien, mehr Vernetzung, eine höhere Transparenz und Komplexität. Das Klettergerüst steht höher auf dem Berg, es repräsentiert die nächste Entwicklungsstufe. Dort sind Wetterumschwünge häufiger als im Strukturland. Die Sicht ist öfter einmal vernebelt. Ziele, nächste Schritte und Planungen werden situativer angepasst.

Im Strukturland konnte ich mich sinnbildlich gut orientieren oder sogar an Strukturen anlehnen. Dagegen benötige ich im Klettergerüst sowohl bildlich als auch tatsächlich eine andere Haltung und innere Kraft, damit ich mich halten und klettern kann.

Bevor Du weiterliest, überlege: Die Organisation, in der Du arbeitest – wo befindet sie sich? Ist sie noch im Strukturland oder sind erste Bereiche bereits im Neuland? Wo bist Du?

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Neue Arbeitswelt: alarmierende Auswirkungen auf die Selbstführung

Flexibles und mobiles Arbeiten, selbstorganisierte Projektteams – die neuen Arbeitsformen sind attraktiv und sinnvoll, wenn sie gut eingeführt werden. Dennoch bedeuten sie nicht den totalen Abschied von einem strukturiertem Vorgehen. Ganz im Gegenteil!

Denn wir alle haben ein psychisches Bedürfnis nach Struktur. Damit wir uns unsere Umgebung, sprich unsere Aufgaben und unser Wirken verstehen können, brauchen wir ein Mindestmaß an Regeln, Grenzen, Ordnung. Wir benötigen einen Rahmen, in dem wir uns bewegen können.

Darüberhinaus haben wir ein körperliches Bedürfnis nach Rhythmus. Physiologisch benötigen wir den Wechsel „Anspannung – Entspannung“. Unser gesamter Biorhythmus basiert auf diesem Gesetz. Diesen Zyklus erleben wir, wenn wir ein- und ausatmen, wenn unser Herz schlägt bzw. die Pause dazwischen oder wenn wir nachts schlafen und tagsüber aktiv sind. Diesen inneren Rhythmus benötigen wir zum Leben – egal wie die äußere Taktung ist.

Im offenen „Klettergerüst“ verschwinden die Rhythmen zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit. Wir sind gefährdet immer „on“ zu sein. Es gibt ja immer etwas zu tun. Ständig gibt es neue Informationen – per E-Mail, social Media, Intranet oder Flurfunk. In der alten Arbeitswelt hatten wir klar abgegrenzte und kontrollierbare Aufgaben. Es war eher möglich, dass wir uns nur auf ein Thema konzentrierten. Heutzutage verwässern sich die Themen, die Abgrenzungen werden schwammiger. Joachim Bauer, ein renommierter Neurowissenschaftler, spricht sogar von der Entwicklung eines neuen Stress-Systems. Er vergleicht dies mit dem Zustand einer dauerhaften Alarm- und Wachbereitschaft gegenüber einer möglichen neuen Herausforderung. Wir sind gefühlt ständig auf der „Hut“ und verlernen immer mehr, wirklich abzuschalten. Und wer nicht mehr richtig abschaltet, kann auch immer weniger richtig „on“ im Sinne von klar, kreativ und produktiv sein.

Wie erlebst Du bei Dir den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen On und Off?

Selbstführung 4.0: Strukturen schaffen in der neuen Arbeitswelt – 3 Impulse

Wenn wir im Bild des Klettergerüstes bleiben, sollten wir also kleine Häuschen bzw. stabile Knotenpunkte etablieren, damit wir kraftvoll klettern können. Unabhängig von den äußeren, organisationalen Strukturen können wir uns individuelle Strukturen (wieder) aufbauen. Das hört sich komplizierter an als es ist, wie die folgenden persönlich erprobten Impulse aufzeigen: