„Ich präsentiere mein Thema und am Ende frage ich, ob es Fragen gibt und es gibt keine. Das kann aber eigentlich gar nicht sein!“ Oder nach der Präsentation der Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen wird nach Beispielen aus dem Team gefragt und keiner traut sich eines zu nennen.
Das Gefühl von psychologischer Sicherheit entscheidet, ob wir in einem Termin etwas sagen, oder nicht. Amy Edmondson beschreibt eine Organisation als angstfrei und psychologisch sicher, wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie gehört werden, dass ihre Meinung zählt.
Psychologische Sicherheit ist fühlbar und erlebbar – aber nicht sofort sichtbar. Sie ist wie eine Raumtemperatur. Ist es zu kalt, mummeln wir uns ein, schützen uns und investieren unsere Energie in uns statt in die Zusammenarbeit.
In 2024 lese ich das Buch von Amy Edmondson. Seit dem plane und gestalte ich Workshops und Coachings noch bewusster, damit psychologische Sicherheit unterstützt wird. Nun, seit ein paar Monaten, werde ich explizit angefragt, Vorträge und Workshops dazu anzubieten. Ich habe gemerkt: Ein Thema im Kopf zu haben und in die Arbeit einfließen zu lassen, ist das eine. Darüber zu referieren ist das andere. Diese Herausforderung liebe ich: Wie kann ich es so darstellen, dass es anschaulich und einfach ist, dass es nicht nur ein Wort sondern begreifbarer wird? Und dass es im besten Fall zu meinen anderen Bildern und Modellen passt? Nach viel Lesen, Brainstormen, Notizen machen (danke an dieser Stelle an xxx für euren Input dazu!) und Folien skizzieren hat es dann Klick gemacht und es kam das Konzept mit meinen bisherigen Modellen zusammen.
Mein grundsätzlicher Leitgedanke ist „Vertrauen ist die Brücke über den Fluss der Unsicherheit“. Damit Menschen sich auf ein Ziel zu bewegen, benötigen sie Vertrauen. Doch dann mit dem Wissen um psychologische Sicherheit denke ich: Ja, und psychologische Sicherheit ist dazu die Grundsicherung, dass wir überhaupt losgehen! Dass wir uns trauen, einen Schritt auf eine gefühlte Hängebrücke zu setzen. Um im Eingangsbeispiel zu bleiben: Menschen trauen sich etwas zu sagen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie dieses Risiko (der Blamage, des Blöd dastehens, des Verzögerns) eingehen können, ohne dass sie fallen gelassen werden, zum Beispiel durch einen Kommentar, ein Abwerten von Perspektiven, durch ein Augenrollen oder ein nicht ausreden dürfen, weil dafür ist nun doch keine Zeit da.
Wie können wir psychologische Sicherheit geben? Was brauchen wir als Grundausstattung, um uns auf die Wanderung durch unsicheres Terrain zu wagen? Vier unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände begleiten uns dabei:
- Sicherheitsseile – stehen für klare Rahmenbedingungen: Kontext, Ziele, Erwartungen und strukturierte Abläufe, die Halt geben.
- Karabiner-Haken – ermöglichen echte Beteiligung: Offene Fragen laden ein, sich einzuklinken und mitzugestalten.
- Seilführung – verkörpert kommunikative Kompetenz: Aktives Zuhören, konstruktives Feedback – und die Bereitschaft, es auch anzunehmen.
- Eigener Stand – ist die innere Haltung, die alles trägt: Die Überzeugung, dass Vielfalt bereichert – und die Demut, selbst nicht alles zu wissen.

Mit der inneren Haltung beginnt psychologische Sicherheit. Mit einer inneren Haltung von „ich bin fehlbar, ich weiß nicht alles, ich brauche mein Team“ werden die Instrumente der psychologischen Sicherheit sehr wirksam. Denn ein Team, ein Mensch spürt, ob es wirklich gewollt ist.
Abschließend noch ein Tipp, damit bei der nächsten Präsentation jemand sich traut, eine Frage oder Anmerkung zu stellen. Mach eine kurze Kaffeepause. Lass sie zu zweit oder zu dritt sich zur Präsentation austauschen. Und erst dann fragst du im Plenum, was es für Fragen/Gedanken/Anmerkungen gibt. Durch den Austausch in Kleingruppen ist die Sicherheit gestiegen, mit einem Gedanken nicht allein zu sein.
Wann und wie erlebst du psychologische Sicherheit? Oder hast du Interesse, dieses Thema einmal mit dem Team oder für dich als Führungskraft zu reflektieren? Dann schreib mir einfach und wir schauen bei einem virtuellen Kaffee, wie ich dich unterstützen kann.
