Erst zuhören. Dann führen. Auch bei der Selbstführung. – mit meiner aktuellen Lieblingsmethodik

Hast du eine Lieblingsmethodik? fragt mich eine Teilnehmerin letzte Woche beim Workshop „Positive Selbstführung“. Ja, unbedingt. Aktuell mag ich als Grundkonzept den Gedanken des inneren Teams sehr und arbeite viel damit. Doch ganz konkret wende ich fast täglich die sogenannte Mitgefühlspause an und empfehle sie sehr gerne in Workshops und Coachings weiter. Die Mitgeffühlspause besteht aus drei Stufen:

  1. Wahrnehmen was ist, ohne es zu bewerten. Also „achtsam“ sein. Ja, da ist Schmerz in den Muskeln, wenn ich laufe. Oder auch am Schreibtisch: Ich bin unsicher, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin genervt. Ich habe inneren Widerstand.
  2. Sich verbunden fühlen, die Erfahrung als eine gemeinsame, menschliche Erfahrung zu begreifen: Es ist für mich eine wohlwollende Akzeptanz mir selbst gegenüber. Ich zoome mich innerlich aus meiner Situation heraus und frage mich: Was mache ich hier gerade und könnte es nicht nachvollziehbar sein, dass ich gerade so denke und fühle, wie ich es mache? Das könnte zum Beispiel sein: Als Solo-Selbständige ohne direkte Kolleg:innen ist es manchmal echt „einsam“ am Schreibtisch. Oder auch: Das geht bestimmt vielen Wissensarbeitern so. Das ist okay, das darf sein.
  3. Freundlich zu sich selbst sein: Was brauche ich jetzt? Humor! Musik! 20 Minuten frische Luft.

Wenn gar nichts mehr geht, hilft mir immer das innere Mitgefühl. Egal ob es nachts ist, wenn ich aufwache und die Gedanken kreisen. Oder wenn ich laufe und es sehr anstrengend ist. Es ist das, was mich sofort entspannt und mich mir selbst gegenüber liebevoller denken und fühlen lässt. 

Grübel ich über einen Termin nach, wende ich ebenfalls die Mitgefühls-Pause an: 

Was nehme ich wahr? Unsicherheit. Vielleicht auch Scham, weil ich einen Fehler gemacht habe. Oder ich bin wütend auf mich selbst. Was ist die Verbindung, wem geht es ähnlich? Perfektionisten. Anderen selbständigen Trainern. Ich kann mein Grübeln und meine Scham nachvollziehen. 

Was brauche ich? Ich mache mir ein paar Notizen, was ich daraus lerne. Ich fühle in mein Herz hinein und höre meinem Herzen zu. Und ich verzeihe mir selbst. Und ich weiß: in ein paar Tagen denke ich schon nicht mehr darüber nach. Und ich mache mir bewusst, wofür ich in der Situation, in der Arbeitsbeziehung wirklich verantwortlich bin – und wofür auch nicht. 

So ist Mitgefühl eine wohlwollende Akzeptanz, ein wohlwollendes Verständnis für die eigene Situation und Gedanken-/Gefühlswelt zu entwickeln. 

Diese drei Schritte schaffen einerseits Abstand zu mir und gleichzeitig fühle ich mich sehr mit mir verbunden. Ich höre in mich hinein – welches Gefühl oder was für ein Gedanke ist es gerade? Schon allein das einmal wahrzunehmen lohnt sich. Und mich dann auch zu fragen, in meinen Körper oder auch mein Herz, was ich brauche. Dieser innere Selbstdialog ist wirksamer als einfach irgendetwas zu machen. Erst zuhören. Dann führen. Auch dich selbst.

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