Drei Jahre. Hunderte von Seiten, davon bestimmt 80 Prozent für den Papierkorb. Unzählige Stunden am Schreibtisch, im Laufschuh, im Kopf. Mittlerweile bin ich bei der 18. Überarbeitung – ja, du hast richtig gelesen. Zur Selbstführung gehört auch Ausdauer ;). Und ja, 17 davon waren noch nicht gut. Jetzt bin ich im Endspurt. Die Inhalte für mein Buch stehen. Jetzt geht es nur noch um den Feinschliff. Das schaffe ich jetzt auch noch. Noch circa vier Wochen, dann geht es in den Druck. Das Cover steht (ich mag es sehr!). Ich bin sehr zufrieden.
Und dann erinnere ich mich, dass eine gute Buchproduktion eine Testleser-Phase braucht. Wie konnte ich das vergessen. Mein erster Gedanke: Dazu habe ich keine Zeit. Ich will das jetzt zu Ende bringen. Ich weiß doch, dass es gut ist. Mein zweiter Gedanke, einen Moment später: Mal ehrlich, Anke. Du arbeitest drei Jahre an diesem Buch. Willst du jetzt auf der Zielgeraden stolpern? Nein. Noch dazu widerspricht es meinem Motto „Erst zuhören, dann führen.“, wenn ich Angst habe, meinen Testlesenden zuzuhören. Doch da ist die Autorin, die Angst hat um ihr Buch. Dass es nicht verstanden wird. Dass das Feedback schlecht ist. Und dass es tatsächlich gelesen wird!
Selbstführung: Somatische Marker – wenn der Körper klüger ist als der Kopf
Ich kenne diesen inneren Dialog. Ich kenne ihn vom Laufen, ich kenne ihn aus Coachings, und ich kenne ihn aus meinem eigenen Alltag als Selbständige. Der Kopf, der sagt: schnell, fertig, weiter. Die Unsichere, die gerne zweifelt. Und die leise Stimme darunter, die fragt: Aber ist das wirklich stimmig? Ich weiß aus Erfahrung, dass das, was ich vermeide genau richtig ist. Was im Weg ist, ist der Weg. Die Pause. Das Zuhören. Oder jetzt beim Buchschreiben das Feedback von Testlesern. Doch bevor ich dies einfach mache bzw. nicht mache, wende ich ein Konzept zur Entscheidungsfindung an, um mich bewusst zu entscheiden. Somatische Marker. Der Begriff stammt von dem Neurowissenschaftler Antonio Damasio. Die Idee dahinter ist einfach: Unser Körper speichert Erfahrungen als körperliche Empfindungen – und sendet diese als Signale, bevor unser Kopf überhaupt eine bewusste Entscheidung getroffen hat. Ein flaues Gefühl im Bauch. Eine Enge in der Brust. Oder das Gegenteil: eine Leichtigkeit, ein Aufatmen, ein leises Ja. Wir kennen diese Signale. Wir ignorieren sie oft. Also habe ich mir einen Kaffee genommen und bewusst innegehalten. Und mir zugehört – nicht nur dem Kopf, sondern auch dem Körper und dem Herzen:
Dem Kopf: Zu aufwändig. Zu viel Zeit. Ich will fertig werden. Und gleichzeitig: Es wäre sehr schade, mir die Zeit nicht zu nehmen. Es spricht doch nichts dagegen – also wirklich gar nichts! Außer dem inneren Ehrgeiz und der Unsicherheit.
Dem Herzen: Oh mein Gott, dann lesen sie es ja wirklich. Und gleichzeitig: Ich freue mich darauf, was sie sagen werden. Das ist doch auch eine riesen Chance! Ich spüre Ruhe.
Dem Körper: Im ersten Moment Puls und Anspannung. Interessanterweise kommt es eher daher, dass ich etwas wichtiges übersehe, wenn ich es ohne Testleser mache. Fühle ich mich hinein, wie es mit Testlesern ist, entspannt sich mein Körper. Weil ich für den Prozess insgesamt mir mehr Zeit nehme statt auf den letzten Metern durchzuhetzen. Ich spüre Vorfreude und wie sich mein Körper aufrichtet.
Ich gebe meinem Gesamtgefühl einen Wert zwischen 1-100. Einmal zu meinen ganzen positiven Assoziationen und dann zu den negativen. Die Antwort war klar. Natürlich mit Testlesern. Natürlich mit echtem Feedback. Der Prozess verzögert sich um vier Wochen. Und das fühlt sich richtiger an als schnell fertig zu sein.
Was dieser Moment zeigt
Selbstführung ist selten dramatisch. Sie passiert nicht nur in Krisen oder an Wendepunkten. Sie passiert in kleinen Momenten wie diesem. Im Innehalten vor einer Entscheidung. Im ehrlichen Blick auf das, was wirklich stimmig ist – nicht was schnell ist, nicht was andere erwarten, nicht was der Plan vorsieht.
„Hör dir zu“ ist kein Ratschlag für besondere Situationen. Es ist eine Haltung für den ganz normalen Alltag. Vor dem nächsten Meeting. Vor der nächsten Entscheidung. Vor dem nächsten Schritt. Und manchmal bedeutet es: vier Wochen länger warten. Weil es sich innen richtig anfühlt.
Willst du Testlesen?
„Hör dir zu. Pace yourself. – Die stille Kunst, sich selbst in einer lauten Welt zu führen“ erscheint im Herbst 2026. Es richtet sich an Führungskräfte, die merken, dass klassische Ratgeber und Methoden nicht reichen. Die inmitten des Lärms spüren, dass es einen stillen Weg gibt – und bereit sind, ihn zu gehen. Ich suche noch drei Testleserinnen und Testleser, die das Buch im September lesen. Wenn dich das Thema wirklich beschäftigt und du bereit bist, ehrliches Feedback zu geben – melde dich gerne direkt bei mir via Stichwort „Testlesen“.
Und wenn du direkt erfahren möchtest, dass das Buch erhältlich ist, schreibe mir eine E-Mail mit dem Stichwort „Warteliste“.
