„Haltung kommt von Innehalten. Damit eine Haltung reift, benötigen wir Zeit.“ Das sind die ersten zwei Sätze im Buch „Führung mit Haltung“, welches in 2021 erschienen ist. An sich dachte ich, dass ich mit dem Schreiben eines Buch ein Thema verarbeite und abschließe. Nein, so einfach ist es nicht.
Nun ist 2025 und erst so langsam begreife ich, was ich da geschrieben habe. „Erst jetzt spüre ich und verstehe ich meine Bücher“ sage ich vor kurzem zu meinem Sparringspartner und Coach. Was ich da sage, überrascht mich und auf eine Art ist es mir fast unangenehm. Wie war es noch mit dem vermeintlichen Fremdbild und Eigenbild?
Ich dachte, dass ich das Thema Haltung schon mehr verkörpert habe. Doch dieses Jahr habe ich bewusst, gewollt und manchmal auch ungewollt mehr Zeit zum Innehalten gehabt. Habe angehalten, in mich hineingehört, statt direkt zum nächsten Projekt und Gipfel zu sprinten. Und auf einmal spüre ich viel viel mehr meine Haltung, als dass ich sie nur denke und über sie rede.
Statt mir immer neue Aufgaben bzw. Trainingsanreize zur persönlichen Entwicklung zu geben, bleibe ich konstant bei einer Trainingsaufgabe, die ich schon 2021 im Buch beschreibe und doch wieder aus dem Auge verloren habe: mich morgens aufrichten, körperlich in einer guten Haltung sein, in mich hineinhören, mir selbst und meinem Herzen zuhören und mich auf den Tag einstimmen. 15 Minuten. Dazu Kaffee, Stift und ein fröhliches Notizbuch.
Was ich mehr und mehr verstehe und fühle: Es kommt nicht nur auf das Wissen an. Ein Thema zu fühlen und zu sein, das macht den Unterschied. Doch das braucht Zeit. Manchmal Jahre. Oder vielleicht auch ein ganzes Leben? In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Geduld und gleichzeitig Entschlossenheit.
