Wenn Zuhören zur inneren Gastfreundschaft wird. 

Auf dem Bild siehst du zwei Bücher, die mich aktuell beschäftigen. Das eine ist sehr alt, aus dem Jahr 1961. Das andere ist 2025 veröffentlich. Beim Lesen von Richard Pörksen fühle ich mich fasziniert, bestätigt und überfordert zugleich: Die Dynamiken des Zuhörens und wieso es so herausfordernd ist; dass Zuhören zumeist subjektiv und durch die eigene Tiefengeschichte geprägt ist, die Frage, wem ich überhaupt zuhören möchte. 

Mein romantisches und optimistisches Bild vom Zuhören ist im Positivsten irritiert und um viele komplexe Sichtweisen erweitert. 

Was bleibt sind Begriffe und Gedanken aus dem Buch: 

  1. Zuhören ist als Metapher eine „innere Gastfreundschaft“. Ich bin also wie ein Gasthaus, habe meine (inneren) Türen offen und lasse die Gäste Platz nehmen. 
  2. Zuhören ist „gelebte Demokratie im Kleinen, Anerkennung, Akzeptanz von Verschiedenheit, Suche nach dem Verbindenden, …“ 

Beide Gedanken mag ich sehr. Sie werden für mich konkreter durch einen Satz, den ich dann bei Carl Rogers lese. Nicht zum ersten Mal. Doch am Samstag lese ich diesen Satz nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit meinem Herzen: 

„I have found it highly rewarding when I can accept another person. … truely to accept another person and his feelings is by no means an easy thing, any more than is understanding.“

In meinen beruflichen Rollen fällt mir das Akzeptieren von Personen und ihren Emotionen sowie Zuhören sehr viel leichter. Doch je privater, familiärer und historischer meine Beziehungen sind, je mehr Tiefengeschichten es auch in den Beziehungen gibt, umso schwerer fällt es mir, eine gute innere, demokratische Gastgeberin zu sein. 

Doch mit diesem inneren Gefühl, die andere Person mit allem – auch ihrer Tiefengeschichte – zu akzeptieren, nicht dagegen ankämpfen zu wollen, entspanne ich mich. 

Ich bin bereit, am Sonntag in ein Gasthaus zu gehen und selbst ein Gasthaus für meine Eltern zu sein. 

Was folgt ist ein genussvolles, traditionelles Sonntagsessen mit einem entspannten Austausch über dies und das. Ich bin in meiner inneren Haltung offen und neugierig, statt zu kämpfen, mich verteidigen oder angreifen zu wollen. 

Danach spüre ich, dass ich nur vom vielen Essen müde bin. Statt wie sonst vom inneren Widerstand. 

Ich merke, wie viel Energie im Akzeptieren frei wird – statt sie ins innere Kämpfen und Überzeugen wollen einzusetzen.

Ich bin bereit für die nächsten Gäste.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert