„Gehört zu werden ist für mich wichtiger als das Ergebnis.“ – diesen Satz habe ich seit Wochen in meinem Kopf. Und finde es so passend. Menschen wollen nicht recht haben (also manche schon), sie wollen mit ihren Ideen und Bedenken gehört und gesehen werden.
Eine Marketingleiterin sagt den Satz im Coaching zu mir, als sie von einer Diskussion mit ihrer Führungskraft berichtet. Sie kann gut damit umgehen, wenn es anders entschieden wird, nachdem sie angehört worden ist mit ihren Bedenken, ihrer Haltung und ihren Ideen. Doch in dem einen Fall beschreibt sie, dass sie noch nicht einmal die Chance hatte, ihre Sichtweise zu äußern. Sie wurde beim ersten Ansetzen unterbrochen. Die Folge: Frust, Demotivation. Unsicherheit. Und gleichzeitig erarbeitet sie das Learning, das nächste Mal bewusst um ein Ausreden dürfen zu bitten.
In anderen Coachings werde ich gefragt, wie man in vermeintlich konfliktären Situationen souverän, gelassen und ruhig bleibt. Früher habe ich dazu noch viele Tipps und Werkzeuge mitgegeben. Doch nun ist meine Empfehlung dazu als ersten Schritt für diese Situationen anders: geh in das Gespräch mit der Intention hinein, verstehen zu wollen, zuzuhören. Du musst keine Lösung in dem Moment haben. Erst zuhören, verstehen. Dann kannst du besser führen, Kontext geben, die Vorgehensweise oder Entscheidung begründen. Und die andere Person hat die Chance gehabt, ihren Widerstand, Unmut loszuwerden.
Mit der Intention zu verstehen gehe ich auch entspannt als Unternehmerin und eigene Vertriebsleiterin in Kennenlern- und Auftragsklärungsgespräche. Früher war ich nervös und habe mich selbst unter Druck gesetzt, „perfekt“ zu sein und zu präsentieren. Seit mich zuhören so begeistert, mache ich genau das im ersten Teil des Termins immer mehr: Zuhören. Möglichst offen sein – statt im Kopf schon die „perfekte“ Lösung zu haben. Verstehen wollen. Und auch reinspüren: Passen wir zusammen? Macht eine Zusammenarbeit Sinn? Was sagt mein Kopf, was sagt mein Bauch- und Herzgefühl?
Zuhören macht nur Sinn, wenn ich an den Antworten interessiert bin. Wenn ich innerlich bereit bin, meine vermeintlich einfachen Lösungen zu verlassen, damit die Lösung besser wird. Und das ist das Schöne, was ich beobachte. Durch Zuhören werden die Ergebnisse besser. Weil ein gemeinsamer Denk- und Lösungsraum entsteht, in alle sich gehört und verstanden fühlen.
Wann fühlst du dich gehört, von wem fühlst du dich verstanden? Und wem kannst du mehr zuhören?
Hinweise/Quellen: „Erst zuhören, dann führen.“ Ist ein Zitat von Otto Scharmer/Theorie U | Bildquelle: Adobe Stock
